Sie bekam unzählige Filmangebote für Horrorfilme, in einem sollte sie eine Vampirin spielen: Wie wunderbar wäre eine solche Hommage an ihre Lieblingshorrschmiede "Hammer Horrors" wohl geworden? Zumindest viele ihre Videos sind in dem "Black Park"-Wald vor Windsor gedreht worden, wo viele Hammer-Filme entstanden, einen Song hat Kate Bush auch darüber geschrieben und in dem dazugehörigen Video ist all das zu erkennen, was ihr wichtig ist und was der Presse je wichtig über Kate Bush war: Ihre Leidenschaft für den Tanz, den Ausdruck, die Sinnlichkeit, die Literatur, die Stimmenvariation, das Düstere, die Verkleidungen, den Humor und genau all das wurde ihr oft zur Last gelegt - Bush sei viel zu affektiert, übertrieben und wolle alle Künste zwanghaft in sich vereinen:
Wer jedoch glaubt, dass die immer als mysteriös gebrandete Sängerin ihre Inspiration nur aus Abseitigem oder Mythischem zog, täuscht sich: Sie liebte auch triviale Fernsehserien oder ganz und gar Albernes wie die Muppets. All das erfahren wir aus der großartigen Biografie "Under the Ivy" von Graeme Thompson. Schon früh wurde sie jedoch wegen all dem wenig fassbaren in der damaligen Pop-Branche zum Zielobjekt der bissigen britischen Presse und der bösen Persiflage, die sie in der Sendung "Not the Nine O'Clock News" einmal so veralberte:
All diese Interessen und Leidenschaften zu vereinen, war neu für eine Künstlerin, die Ende der 1970er Jahre sehr selbstbewusst (was ihre Kunst anging) und zugleich schüchtern (was ihr Umgang mit den Medien anging) auftrat: Man verstand Kate Bush einfach (noch) nicht. Heute bezieht sich eine Heerschar von Sängerinnen auf sie, sei es Björk, Bat For Lashes, Tori Amos: Everybody rips off Kate Bush...
Ihr Perfektionismus wurde ihr jedoch bei Live-Auftritten zum Verhängnis: Bisher hat Bush nur eine Tournee absolviert, ihre "Tour of Life", die für sie zur "Tortour of Life" werden sollte: Das war 1979 und seitdem hat sie keine Bühne mehr für eine Tournee betreten. 2014 sollte sich das ändern, denn sie spielte gleich einige Konzerte in London. Vielleicht hat sie von vielen Ansprüchen von damals Abstand genommen, den schwierigen Choreographien beispielsweise. Andererseits kann sie viel leichter ihr Faible für Technik und Visuals einsetzen, was Ende der 70er noch extrem kompliziert war. Und kaum beruhigen wir uns mit der Aussicht, dass ihr doch noch nun viele Strapazen erspart bleiben, lesen wir das: "Kate Bush spent days in flotation tank preparation for her shows at Hammersmith Apollo". Da ist sie also wieder: Die Künstlerin, die immer zu überraschen weiß und an ihre Grenzen geht. Die größte aller Überraschungen besteht jedoch darin, dass sie tatsächlich wieder live auftritt, denn dies hielt nicht einmal ihr Biograph Thompson für möglich und diesem Mythos der verschwundenen Frau wurde gar ein Roman gewidmet: "Warten auf Kate"...
Kate Bush hat stets ihr "Elfen"-Image gehasst, sie wollte nie als "zart" angesehen werden: Im Gegenteil, in vielen ihren Songs betont sie ihre "Männlichkeit" und wollte ihrer Stimme, die oft als zu quietschend abgetan wurde "mehr Eier" verleihen (Wer hätte gedacht, dass Kate und Kahn so viel gemeinsam haben?). Also experimentierte sie mit ihrer Stimme dafür - Für den Song "Houdini" trank sie vor der Aufnahme einen halben Liter Milch und aß zwei Tafeln Schokolade, um ihrer Stimme mehr "Rotz und Dreck" zu verleihen, wie Graeme Thompson in seiner Biografie verrät.
Doch auch technisch war sie immer experimentierfreudig und war fasziniert von Sampling Synthesizern. Das Instrument änderte ihre Sicht auf Musik komplett und sie war begeistert von der Möglichkeit, Klänge so übereinander zu schichten, wie sie es letztendlich mit all ihren Ideen, Interessen und Inspirationen tat. Kate Bush nennt dies "Nostalgie mit den Mitteln der Zukunft erkunden". So entstand auch ihr Meisterwerk, ein Lied das zugleich nostalgisch und futuristisch klingt - "Running up that hill"...
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8/25/2022
1/01/2017
LISTOMANIA: Blogposts 2016
2016 war ein Jahr wie in einer Achterbahnfahrt: mal jauchzend schön, mal zum Kotzen, es hat einen hochgewirbelt sowie heruntergezogen. Für uns war natürlich "Zehn Jahre Sublime" das Ereignis, das unvergessen bleiben wird: Wir hatten tolle Bands, die großartige Konzerte gaben, tolle Gäste, die hingebungsvoll getanzt und gefeiert haben und wir haben uns mit unseren Quartett einen arbeitsreichen Spaß gegönnt, der wahnsinnigerweise weltweit für Freude gesorgt hat und fleißig bestellt wurde! Dafür und mehr, tausend Dank! Dann waren da aber noch grausame Todesfälle, die uns erschütterten: Vor allem David Bowie, ein wichtiger Teil der Sublime-Idee, wird ewig fehlen. Zumindest konnten wir ihm in London seine Quartett-Karte ans Denkmal in Brixton legen... In London gab es aber auch dieses Jahr eines der wichtigsten Reunion-Konzerte der Shoegaze-Szene zu bewundern: Lush! (Die sich 2016 allerdings auch schon wieder getrennt haben, Achterbahngefühl also wieder runter...) Dort gab es ein kleines Klassentreffen von Sublime-Mitgliedern und Gästen aus ganz Deutschland und England, was wirklich herausragend schön war und als Wunsch für 2017 gelten kann: Mögen wir uns alle immer wieder und egal wo treffen und tanzen. Als virtueller Treffpunkt soll dieser Blog dienen und 2016 waren dies die beliebtesten Blogbeiträge (Playlisten und Lieblingslieder wie immer außer Konkurrenz), die Original-Artikel sind natürlich verlinkt. Enjoy!
1. DAS SUBLIME QUARTETT
Das aus dieser Schnapsidee ein so großer Spaß und Sammelwahnsinn entstehen würde, haben wir selbst nicht geglaubt: Unser Quartett ging in die ganze Welt hinaus, von Schweden über Italien, Großbritannien, USA bis nach Mexiko oder Peru durften wir es verschicken! Bewegend war jedoch vor allem, dass so viele beteiligte Bands und Musiker ein Exemplar wollten, ein schöner Lohn für zehn Jahre Sublime und wer noch eines mag, kann uns gerne schreiben.
2. SUBLIME: 10 JAHRE!
Unser Ankündigungspost für die dreitägige Zehnjahresfeier mit Konzert, Party und Kino wurde sehr oft aufgerufen und das Feedback zu unserem Jubiläum war ebenfalls überwältigend. Die drei Tage werden uns immer im Gedächtnis bleiben, auch wenn die Arbeit davor und die Erschöpfung danach gefühlte 300 Tage dauerte! Auf die nächsten zehn Jahre also...
3. LUNASTROM IM SANATORIUM
Das nächste große Event des Jahres für uns, das ebenfalls Wahnsinnge veranstalten haben: Unsere guten Freunde von Lunastrom, allen voran Marc Zimmermann, der uns auch bei jeder Sublime-Party in Regensburg mit einem Leichenwagen voller Licht und Nebel versorgt. Im Sanatorium am Starnberger See hat er sich allerdings mit einer Veranstaltung voller Kunst, Installationen, Party und Konzert selbst übertroffen und wir sind dankbar, ein Teil davon gewesen sein zu dürfen!
4. THE SPECTORS
Diese lustigen jungen Menschen aus Belgien haben eine Band gegründet, die uns beim Zehnjährigen umgehauen hat: Frische und energiegeladene Songs zwischen Dreampop und Shoegaze sprudeln nur so aus ihnen heraus als hätten sie schon viel mehr Jahre auf dem Buckel. Wir sind stolz, dass sie bei uns ihren allerersten Deutschlandgig ever gespielt haben und dass so viele Zuschauer nach dem Konzert begeistert bei ihren Platten und Shirts zuschlugen.
5. S U R V I V E
Dieses Synthprojekt hatten wir bereits vor drei Jahren hier im Blog auf dem Schirm, aber 2016 feierte es seinen Durchbruch dank der fantastischen Serie "Stranger Things", für die sie eine infektiöse Titelmelodie schrieben. Hypnotische, treibende Synthiestrukturen zwischen Tangerine Dream und John Carpenter machten S U R V I V E zu einer der wichtigen Überlebensmusiken für das letzte Jahr...
1. DAS SUBLIME QUARTETT
Das aus dieser Schnapsidee ein so großer Spaß und Sammelwahnsinn entstehen würde, haben wir selbst nicht geglaubt: Unser Quartett ging in die ganze Welt hinaus, von Schweden über Italien, Großbritannien, USA bis nach Mexiko oder Peru durften wir es verschicken! Bewegend war jedoch vor allem, dass so viele beteiligte Bands und Musiker ein Exemplar wollten, ein schöner Lohn für zehn Jahre Sublime und wer noch eines mag, kann uns gerne schreiben.
2. SUBLIME: 10 JAHRE!
Unser Ankündigungspost für die dreitägige Zehnjahresfeier mit Konzert, Party und Kino wurde sehr oft aufgerufen und das Feedback zu unserem Jubiläum war ebenfalls überwältigend. Die drei Tage werden uns immer im Gedächtnis bleiben, auch wenn die Arbeit davor und die Erschöpfung danach gefühlte 300 Tage dauerte! Auf die nächsten zehn Jahre also...
3. LUNASTROM IM SANATORIUM
Das nächste große Event des Jahres für uns, das ebenfalls Wahnsinnge veranstalten haben: Unsere guten Freunde von Lunastrom, allen voran Marc Zimmermann, der uns auch bei jeder Sublime-Party in Regensburg mit einem Leichenwagen voller Licht und Nebel versorgt. Im Sanatorium am Starnberger See hat er sich allerdings mit einer Veranstaltung voller Kunst, Installationen, Party und Konzert selbst übertroffen und wir sind dankbar, ein Teil davon gewesen sein zu dürfen!
4. THE SPECTORS
Diese lustigen jungen Menschen aus Belgien haben eine Band gegründet, die uns beim Zehnjährigen umgehauen hat: Frische und energiegeladene Songs zwischen Dreampop und Shoegaze sprudeln nur so aus ihnen heraus als hätten sie schon viel mehr Jahre auf dem Buckel. Wir sind stolz, dass sie bei uns ihren allerersten Deutschlandgig ever gespielt haben und dass so viele Zuschauer nach dem Konzert begeistert bei ihren Platten und Shirts zuschlugen.
5. S U R V I V E
Dieses Synthprojekt hatten wir bereits vor drei Jahren hier im Blog auf dem Schirm, aber 2016 feierte es seinen Durchbruch dank der fantastischen Serie "Stranger Things", für die sie eine infektiöse Titelmelodie schrieben. Hypnotische, treibende Synthiestrukturen zwischen Tangerine Dream und John Carpenter machten S U R V I V E zu einer der wichtigen Überlebensmusiken für das letzte Jahr...
5/30/2016
THE BAG I'M IN
Als vor nicht allzu langer Zeit eine befreundete Lehrerin erzählte, dass in den Klassen mittlerweile alle gleich aussehen, es keine einzige Subkultur mehr gibt und die Lieblingsmusik nur zwischen Mainstream und HipHop abwechselt, passte das zur letzten großen Jugendstudie, in der mehrheitlich betont wurde, dass man sich anpassen wolle und Mainstream das erstrebte Ziel in Aussehen, Musikgeschmack und Lebensgewohnheit ist. Es scheint, die Reaktion auf eine verwirrend gewordene Welt ist nicht mehr Rebellion, das Suchen nach einem anderen Leben, sondern die absolute Assimilation ans System, den Markt und den Konsum: Kein Wunder, dass die einzige "Szene" inzwischen die der so genannten Hipster ist, die wiederum auch alle gleich aussehen.
Dass dies einmal anders war, zeigt auf eindrückliche Weise "The Bag I'm in" von Sam Knee, dessen erstem Buch "A Scene in between" auch hier im Blog vorgestellt wurde. In seinem neuen Werk voller bisher unveröffentlichter Fotos und wunderbaren Illustrationen zu verschiedenen Szenen und Stilen, stellt er die 36 radikalsten und lebendigsten Underground-Gruppierungen aus den Jahren 1960 bis 1990 in Großbritannien vor. Das Jahr 1990 markiert für Knee den Schlusspunkt der Szenen, aus Amerika wurden nun Stile wie Riot Grrrl und Grunge importiert und in England machte sich der fade und kommerzielle Britpop breit. Doch davor: Was für eine Vielfalt, was für eine Leidenschaft, was für eine Lebendigkeit! Im Vorwort schreibt Bobby Gillespie (Primal Scream) wie er beobachtete, dass die jungen Menschen begannen sich neu zu erfinden oder zu dekonstruieren. Sie wollten außerhalb aller kultureller Konformität stehen - sie waren "Outsiders by choice" (S. 6). Heute ist der Großteil der Jugend offenbar "Adjusted by choice", die früheren Underground-Szenen werden höchstens noch geplündert und als neue Marke getragen, geschockt davon sind dennoch wieder die Älteren, die mit einer anderen, oft kritischeren Einstellung zu Leben, Musik und Mode aufwuchsen. Gillespie fasst das ganz gut zusammen: "Fashion ist transient but style is forever".
Knee beschreibt und illustriert unter anderem faszinierende und zeitlos wirkende Sub-Szenen wie Art School Boho (1961 - 1966), Suedhead (1970 - 1972), Space Rock (1970 - 1975), Bowie Kids (1971 - 1974), Northern Soul (1971 - 1976), Post Punk (1978 - 1981), The Postcard Loook (1979 - 1981), New Romantic (1979 - 1981), Goth (1980 - 1984), Smithsmania (1983 - 1987), Creation Indie (1983 - 1987) und natürlich Shoegaze (1987 - 1990).
All diese Szenen und auch Stile sind in SUBLIME enthalten und viele Musikrichtungen haben sich gegenseitig bedingt oder beeinflusst. So erzählen die Stone Roses beispielsweise nachhaltig von Medway Garage (1981 - 1985) beeindruckt gewesen zu sein. Hier spielte die Band "The Prisoners" eine wichtige Rolle, ihre Kleidung war inspiriert von der Sixties-Serie "Number Six" - die auch bei SUBLIME oft auf der Leinwand zu sehen ist - und wenn man ihren Song "Reaching my Head" anhört, inklusive dem Break, hört man unweigerlich auch den kommenden psychedelischen Madchester-Sound heranwabern. Interessant ist auch, wie Knee beschreibt, dass sich die ursprüngliche Goth-Szene optisch sehr von den Hammer Horror Filmen und dem Outfit Diana Riggs in den Avengers inspirieren ließ - auch diese Werke flimmern bei SUBLIME auf dem Silver Screen. Dass Shoegaze in "The Bag I'm in" als letzte eigenständige und neuartige Gitarrenbewegung in Großbritannien beschrieben wird, macht deutlich, wieso Shoegaze das Herz von SUBLIME ist: Eine Musik, die immer weiter pocht, mal leise und mal laut, aber immer lebendig. 1990 war damit ersteinmal Schluss, aber irgendwann pochte es wieder und es ist kein Ende abzusehen...
Und weil ein Bildband ohne Fotos nichts ist, hier noch ein paar Eindrücke aus dem fantastischen Werk (Copyright Sam Knee):
Und wie schon letztes Mal öffnen wir auch das SUBLIME-Photoalbum mit diesen zwei Raritäten:
http://sublime-music.blogspot.de/2016/05/the-bag-im-in.html
Dass dies einmal anders war, zeigt auf eindrückliche Weise "The Bag I'm in" von Sam Knee, dessen erstem Buch "A Scene in between" auch hier im Blog vorgestellt wurde. In seinem neuen Werk voller bisher unveröffentlichter Fotos und wunderbaren Illustrationen zu verschiedenen Szenen und Stilen, stellt er die 36 radikalsten und lebendigsten Underground-Gruppierungen aus den Jahren 1960 bis 1990 in Großbritannien vor. Das Jahr 1990 markiert für Knee den Schlusspunkt der Szenen, aus Amerika wurden nun Stile wie Riot Grrrl und Grunge importiert und in England machte sich der fade und kommerzielle Britpop breit. Doch davor: Was für eine Vielfalt, was für eine Leidenschaft, was für eine Lebendigkeit! Im Vorwort schreibt Bobby Gillespie (Primal Scream) wie er beobachtete, dass die jungen Menschen begannen sich neu zu erfinden oder zu dekonstruieren. Sie wollten außerhalb aller kultureller Konformität stehen - sie waren "Outsiders by choice" (S. 6). Heute ist der Großteil der Jugend offenbar "Adjusted by choice", die früheren Underground-Szenen werden höchstens noch geplündert und als neue Marke getragen, geschockt davon sind dennoch wieder die Älteren, die mit einer anderen, oft kritischeren Einstellung zu Leben, Musik und Mode aufwuchsen. Gillespie fasst das ganz gut zusammen: "Fashion ist transient but style is forever".
Knee beschreibt und illustriert unter anderem faszinierende und zeitlos wirkende Sub-Szenen wie Art School Boho (1961 - 1966), Suedhead (1970 - 1972), Space Rock (1970 - 1975), Bowie Kids (1971 - 1974), Northern Soul (1971 - 1976), Post Punk (1978 - 1981), The Postcard Loook (1979 - 1981), New Romantic (1979 - 1981), Goth (1980 - 1984), Smithsmania (1983 - 1987), Creation Indie (1983 - 1987) und natürlich Shoegaze (1987 - 1990).
All diese Szenen und auch Stile sind in SUBLIME enthalten und viele Musikrichtungen haben sich gegenseitig bedingt oder beeinflusst. So erzählen die Stone Roses beispielsweise nachhaltig von Medway Garage (1981 - 1985) beeindruckt gewesen zu sein. Hier spielte die Band "The Prisoners" eine wichtige Rolle, ihre Kleidung war inspiriert von der Sixties-Serie "Number Six" - die auch bei SUBLIME oft auf der Leinwand zu sehen ist - und wenn man ihren Song "Reaching my Head" anhört, inklusive dem Break, hört man unweigerlich auch den kommenden psychedelischen Madchester-Sound heranwabern. Interessant ist auch, wie Knee beschreibt, dass sich die ursprüngliche Goth-Szene optisch sehr von den Hammer Horror Filmen und dem Outfit Diana Riggs in den Avengers inspirieren ließ - auch diese Werke flimmern bei SUBLIME auf dem Silver Screen. Dass Shoegaze in "The Bag I'm in" als letzte eigenständige und neuartige Gitarrenbewegung in Großbritannien beschrieben wird, macht deutlich, wieso Shoegaze das Herz von SUBLIME ist: Eine Musik, die immer weiter pocht, mal leise und mal laut, aber immer lebendig. 1990 war damit ersteinmal Schluss, aber irgendwann pochte es wieder und es ist kein Ende abzusehen...
Und weil ein Bildband ohne Fotos nichts ist, hier noch ein paar Eindrücke aus dem fantastischen Werk (Copyright Sam Knee):
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| Bowiekid |
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| Creation Indie |
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| The Postcard Look |
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| Postpunk |
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| Smithsmania |
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| Shoegaze |
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| Goth |
Und wie schon letztes Mal öffnen wir auch das SUBLIME-Photoalbum mit diesen zwei Raritäten:
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| Mossman in den Achtzigern: New Romantic vs. Shoegaze |
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| Miss Shapes & Mossman in den Neunzigern: Creepers für Mädels, Leathergirl und Bomberjacke |
http://sublime-music.blogspot.de/2016/05/the-bag-im-in.html
1/01/2016
LISTOMANIA: Blogposts 2015
Welche Themen auf unserem Blog waren 2015 die beliebtesten und was hat unsere Leser am meisten - neben den Lieblingslieder und Playlisten außer Konkurrenz - interessiert? Dieses Jahr dominierten die Bandzentrierten Beiträge und das Thema Undercover...
1. CRAFT SPELLS
Es war schon eine kleine Sensation für uns dieses Jahr: Die hoffnungslosen Romantiker um Mastermind Justin Vallesteros spielten ihr einziges Deutschlandkonzert bei uns in Regensburg! Es wurde ein besonderer Abend, der leider eine unverhoffte Dramatik durch die Terroranschläge in Paris bekam - ausgerechnet das nächste Ziel der Band auf ihrer Welttournee. Das Konzert machte noch einmal deutlich, warum wir das alles machen - auch wenn bei einem ausverkauften Konzert wie diesem kein Cent übrig bleibt: Das Leben und die Lust am Leben!
2. TEMPERS
Überraschend viele Klicks bekam dieser Artikel zu einem Duo aus New York, das einen ganz eigenen Sound aus Postpunk und Elektro zum Besten bringt und regelmäßig in den Sublime-Playlisten vertreten ist. Vielleicht animierte auch allein die Tatsache, dass die Sängerin auch Bauchtänzerin ist, zum Anklicken...
3. UNDERCOVER: THE SMITHS & MORRISSEY
Eine Leidenschaft von Sublime gehört obskuren, genialen und überraschenden Coverversionen: Zu den Smiths und Morrissey gibt es jede Menge davon und die unserer Ansicht besten sind in diesem Blogartikel versammelt, denn: "Und immer wenn wir traurig waren / Und traurig waren wir ziemlich oft / Nahm ich dich in meine Arme / Und dann hörten wir die Smiths" (Farin Urlaub).
4. SUBMERGED: 1993
Eine neue Rubrik im Blog widmet sich den verschütteten Klassikern von Sublime und in dieser Top Ten gibt es ein Wiedersehen mit zu Unrecht fast vergessenen Bands wie Popsicle, Salad oder Catherine Wheel... "... and the feeling was sublime...".
5. UNDERCOVER: DAVID BOWIE
Das nächste Coverspecial zu einem unserer Flyerhelden hat es auch noch in die Top Five geschafft und es ist gleichsam ein schöner Brückenschlag zum beginnenden Jahr 2016, in dem David Bowie nicht nur 70 Jahre alt wird, sondern ein heißerwartetes neues Album herausbringt, das eventuell endlich an das komplett unterschätzte "Outside" heranreichen könnte. Es bleibt also spannend!
1. CRAFT SPELLS
Es war schon eine kleine Sensation für uns dieses Jahr: Die hoffnungslosen Romantiker um Mastermind Justin Vallesteros spielten ihr einziges Deutschlandkonzert bei uns in Regensburg! Es wurde ein besonderer Abend, der leider eine unverhoffte Dramatik durch die Terroranschläge in Paris bekam - ausgerechnet das nächste Ziel der Band auf ihrer Welttournee. Das Konzert machte noch einmal deutlich, warum wir das alles machen - auch wenn bei einem ausverkauften Konzert wie diesem kein Cent übrig bleibt: Das Leben und die Lust am Leben!
2. TEMPERS
Überraschend viele Klicks bekam dieser Artikel zu einem Duo aus New York, das einen ganz eigenen Sound aus Postpunk und Elektro zum Besten bringt und regelmäßig in den Sublime-Playlisten vertreten ist. Vielleicht animierte auch allein die Tatsache, dass die Sängerin auch Bauchtänzerin ist, zum Anklicken...
3. UNDERCOVER: THE SMITHS & MORRISSEY
Eine Leidenschaft von Sublime gehört obskuren, genialen und überraschenden Coverversionen: Zu den Smiths und Morrissey gibt es jede Menge davon und die unserer Ansicht besten sind in diesem Blogartikel versammelt, denn: "Und immer wenn wir traurig waren / Und traurig waren wir ziemlich oft / Nahm ich dich in meine Arme / Und dann hörten wir die Smiths" (Farin Urlaub).
4. SUBMERGED: 1993
Eine neue Rubrik im Blog widmet sich den verschütteten Klassikern von Sublime und in dieser Top Ten gibt es ein Wiedersehen mit zu Unrecht fast vergessenen Bands wie Popsicle, Salad oder Catherine Wheel... "... and the feeling was sublime...".
5. UNDERCOVER: DAVID BOWIE
Das nächste Coverspecial zu einem unserer Flyerhelden hat es auch noch in die Top Five geschafft und es ist gleichsam ein schöner Brückenschlag zum beginnenden Jahr 2016, in dem David Bowie nicht nur 70 Jahre alt wird, sondern ein heißerwartetes neues Album herausbringt, das eventuell endlich an das komplett unterschätzte "Outside" heranreichen könnte. Es bleibt also spannend!
4/20/2015
ENTCHANTED DOLLS
Ihre Puppen sind in der Tat bezaubernd und verzaubernd zugleich: Die russisch-kanadische Künstlerin Marina Bychkova fügt der bekannten Doll-Scene um Kultpuppe Blythe (die schon viele unserer Flyer zierte) etwas ganz Eigenes und Menschliches hinzu, denn ihre Puppen sind nicht nur niedlich oder poppig, sie sind zerbrechlich, bizarr, anatomisch verstörend korrekt und zeigen uns immer einen ganz bestimmten Aspekt von Humanität. Nun ist ihr Werk in einem wunderbaren und liebevoll gestalteten Buch namens "Enchanted Doll" erschienen, man blättert wie in einem Märchenbuch durch die Seiten und stößt auf fazinierende und fragile Puppenwesen, die in langen handwerklichen Stunden, Wochen, Monaten entstanden sein müssen und figürlich die sozialen, psychologischen und feministischen Theorien reflektieren, die ihre Erschafferin beschäftigen. Oft angelehnt an literarische Vorbilder entwirft Bychkova Porzellan-Puppen mit einer unwiderstehlichen Anziehungskraft wie zum Beispiel "Anna Karenina überlebt den Zug". Was wäre wenn, Anna mit sichtbaren Wunden, aber gestärkt ihre Rebellion gegen die gesellschaftlichen Zwänge des viktorianischen Russlands gewonnen hätte? Der Ausdruck der Puppe beantwortet es:
Andere Puppen sind Allegorien wie "Das Stockholm Syndrom" oder psychologische Konzepte wie "Die Stufen der Trauer", die sich auf das bekannte Kubler-Ross-Modell beziehen: Leugnung, Wut, Handeln, Depression und schließlich Akzeptanz spiegeln sich grandios in dieser Puppe Bychkovas:
Weitere Motive entnimmt die Künstlerin Märchen- und Mythenwelten wie Dornröschen, die Figur der bösen Stiefmutter oder die Figur einer Gestaltwandlerin: Hier verschmelzen Tierfiguren mit menschlichen Köpern und niemand kennt ihre echte Gestalt - vielleicht haben sie auch gar keine, genauso wie Bychkovas Puppen zwar gegenständlich sind, aber dennoch ein Werk der Phantasie: Wie bereits Heinrich von Kleist schon sinngemäß sagte - das einzig Sublime also Erhabene in dieser profanen Welt sind Puppen und Tiere ...
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| Copyright: Marina Bychkova |
Andere Puppen sind Allegorien wie "Das Stockholm Syndrom" oder psychologische Konzepte wie "Die Stufen der Trauer", die sich auf das bekannte Kubler-Ross-Modell beziehen: Leugnung, Wut, Handeln, Depression und schließlich Akzeptanz spiegeln sich grandios in dieser Puppe Bychkovas:
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| Copyright: Marina Bychkova |
Weitere Motive entnimmt die Künstlerin Märchen- und Mythenwelten wie Dornröschen, die Figur der bösen Stiefmutter oder die Figur einer Gestaltwandlerin: Hier verschmelzen Tierfiguren mit menschlichen Köpern und niemand kennt ihre echte Gestalt - vielleicht haben sie auch gar keine, genauso wie Bychkovas Puppen zwar gegenständlich sind, aber dennoch ein Werk der Phantasie: Wie bereits Heinrich von Kleist schon sinngemäß sagte - das einzig Sublime also Erhabene in dieser profanen Welt sind Puppen und Tiere ...
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| Copyright: Marina Bychkova |
1/30/2015
INNER GAZING: MUSIKEXPRESS-FUNDSTÜCK
Ein Moment Innehalten zum Inner Gazing, besser bekannt als das trockene "In eigener Sache", denn beim Computer-Aufräumen kam dieses Fundstück wieder ans Tageslicht: Der "Musikexpress" hatte uns eins zum Thema "Zehn Fakten über Shoegaze" unter Punkt 10 (also dem Wichtigsten wahrscheinlich...) erwähnt: In Regensburg gibt es einen Shoegaze-Verein, schrieben sie. "Genauer gesagt einen 'Verein zur Förderung wenig bekannter Musik im Bereich Shoegazing und Nosie-Pop'. Er wurde im Zuge des aktuellen Shoegazing-Revivals gegründet, um Bands Auftrittsmöglichkeiten zu geben und eine entsprechende Partyreihe auf finanziell sichere Beine zu stellen". Wir wissen nicht mehr von wann der Artikel ist, aber es muss schon einige Jahre her sein und schon da unkte man über ein Shoegaze-Revival, doch uns gibt es nun bereits neun Jahre und damals war nichts, aber auch gar nichts zu spüren von einer Wiederkehr von My Bloody Valentine, Ride oder Slowdive. Über letztere hat übrigens der verschollene Manic Street Preachers-Gitarrist Richey Edwards einmal gesagt "Ich werde Slowdive allezeit mehr hassen als Hitler" (siehe Musikexpress Fakt 9). Diese Aussage geistert nun ewig umher, denn Edwards wurde nie wieder aufgefunden und 2008 für "vermutlich" tot erklärt, obwohl er angeblich mehrfach in Indien gesichtet wurde. Nun, sollte er noch leben, hätte die Reunion Slowdives letztes Jahr ihn vielleicht so wütend werden lassen, dass er wieder aufgetaucht wäre... In diesem Sinn: Gaze on!
1/03/2015
LISTOMANIA: Blogposts 2014
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| copyright: neulich als ich dachte |
1. SLOWDIVE: UNDERCOVER
Ein fantastischer Cover-Sampler von Shoegazern, die die Shoegaze-Helden SLOWDIVE neu interpretieren, landete auf Platz Eins und sammelte die allermeisten Klicks: Verdient, denn SPOTLIGHT KID haben beispielsweise aus dem unbekannten "Joy" einen umwerfenden Shoegaze-Kracher gemacht!
2. A SCENE IN BETWEEN
Als Modeblog war SUBLIME bisher noch nicht in Erscheinung getreten, das sollte sich aber mit diesem Buchtipp ändern, denn der Bildband von Sam Knee widmet sich auf liebevolle Weise der Mode und der Musik in Großbritannien aus den Jahren 1983 bis 1989 und alle unsere Helden sind darin vertreten.
3. KATE BUSH: UNDER THE IVY
Und noch ein Buchtipp hat es unter die Top Five geschafft, nämlich die Biografie über KATE BUSH, deren Londoner Konzerte binnen Sekunden ausverkauft waren. Jeder wollte die mythische und mysteriöse Sängerin nach 35 Jahren wieder live sehen. Aber aus der großartigen Biografie "Under the Ivy" von Graeme Thompson erfahren wir unter anderem, dass sie auch triviale Fernsehserien oder ganz und gar Albernes wie die Muppets als Inspiration nutzte...
4. ASH CODE
Der erste reine Bandtipp in unserer Bestenliste: Neben russischen Bands sind es vor allem italienische Musiker, die sich 2014 den düsteren Postpunk-Klängen verschrieben haben. Eine der besten ist sicherlich ASH CODE, die die Anfangszeiten des französischen Coldwave zurückbringen...
5. ETERNAL: SLOWDIVE
Hier schließt sich der Kreis und man landet wieder bei SLOWDIVE, denen wir hoffnungsvoll einen Beitrag in unserer Rubrik "Eternal" widmeten, auf dass die Reunion-Pläne wahr würden - und siehe da - the sun hits again...
2/10/2014
A SCENE IN BETWEEN

Als Modeblog ist SUBLIME bisher noch nicht in Erscheinung getreten, das soll sich aber mit diesem Buchtipp ändern: A SCENE IN BETWEEN von Sam Knee widmet sich auf liebevolle Weise der Mode und der Musik in Großbritannien aus den Jahren 1983 bis 1989, die man man mit "Independent" eben schwer fassen kann und deshalb mit dem Wort "zwischendrin" wohl am schönsten umschreiben sollte. Zu dieser Szene, die ab und an auch "The Scene that celebrates itself" gennant wurde, gehörten auch die Shoegazer - bisher einer modischen Strömung eher unverdächtig, aber das Buch zeigt, dass auch sie durchaus modebewusst waren.
Der Autor hat in dem wunderschön aufgemachten Buch auf 196 Seiten seine gesammelten Schätze an Fotos aus dieser Zeit veröffentlicht und bebildert anschaulich, wie sich die Szene um Creation Records, C86, Shoegaze und die vielfältigen Sub-Szenen dazwischen kleideten und inszenierten. Dazu gesellen sich unzählige bisher unveröffentlichte Flyer sowie Bilder von Bands wie Primal Scream, Spacemen 3, The Smiths, My Bloody Valentine, The Jesus and Mary Chain, The Pastels und viele andere, die für das Buch ihre Archive öffneten. Der Stil der Szene feiert nun wieder ein Comeback, aber jede Mode-Erscheinung feiert in immer kürzesten Abständen ein Revival und es existieren zu viele Dinge parallel um hier noch von einer Relevanz sprechen zu können. Vielleicht sind die Lieblingsstücke der Szene deshalb auch eher als zeitlos zu bezeichnen: Lederhosen, Bowlcut-Frisuren, Goth-Schick, Sixties-Style und Streifen-Shirts sind nicht wirklich jemals tot zu bekommen. Und nun ein paar Impressionen (alle Copyright: Sam Knee) aus dem liebevoll gestalteten Werk, das in keinem Buchregal eines Shoegaze-Fans fehlen sollte:
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| MY BLOODY VALENTINE-Fans 1985 |
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| Jill Bryson von STRAWBERRY SWITCHBLADE 1981 |
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| Philip King von FELT 1986 |
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| Musikfans bei ROUGH TRADE, 80er Jahre |
Und hier noch ein Blick in unser privates Foto-Archiv: Miss Shapes Anfang der Neunziger Jahre gazing...
1/02/2014
LISTOMANIA: Blogposts 2013
1. MY BLOODY VALENTINE: m b v
Aus dem Running Gag, nächstes Jahr würde aber auch wirklich ein neues My Bloody Valentine-Album erscheinen, wurde am 2. Feburuar 20013 über Nacht Wirklichkeit. Dass 22 Jahre nach dem epochalen "Loveless" etwas Neues von den Shoegaze-Helden zu Hören war, stieß auf ein breites mediales Echo oder in diesem Fall wohl besser: Reverb! Und auch über uns wurde im Zuge dessen im Zündfunk berichtet: "In Bayern sind die kulturpreisgekrönten Veranstalter der Regensburger Party-Reihe "Sublime" wichtige Multiplikatoren des Shoegaze-Sounds" (merci, Ralf Summer!).
2. YELLOW LOVELESS
Nur ein paar Tage vor dem völlig unangekündigten und überraschenden Erscheinen von "m b v" berichteten wir über eine großartige Tribute-Compilation zu "Loveless" aus Japan, die man ja derweilen anhören könne, bis Kevin Shields sein Versprechen endlich wahr machen würde. Tja, wir sind davon überzeugt: Das hat ihn in Wirklichkeit unter Druck gesetzt!
3. LET'S BE LOVELESS
Diese Band aus Brooklyn hat nur namenstechnisch etwas mit My Bloody Valentine zu tun, schafft damit aber nichtsdestotrotz einen schönen Hattrick für die Shoegaze-Legenden. Mit ihrem bezaubernden Dreampop werden wir von den New Yorkern sicherlich auch noch 2014 viel zu hören bekommen!
4. KARL BARTOS
Der zweite große Running Gag des Pops, der aber bisher tatsächlich nur ein Gag ist: Nächstes Jahr kommt aber wirklich ein neues Kraftwerk-Album heraus. Nun 2014? Zeig mal was Du kannst! 2013 hatte aber zumindest Ex-Roboter Karl Bartos in seinen Archiven gekramt und mit einigen Songs auf "Off the Record" Melodien präsentiert, die wie frisch von den Elektropop-Legenden klangen.
5. PERRECY
2013 gab es noch eine wunderbare Überraschung: Morrissey himself brachte seine Autobiographie heraus und Perrecy himself endlich sein Album mit deutschsprachigen Coverversionen von "The Smiths" und Morrissey-Liedern. 2009 war er schon einmal bei SUBLIME live zu Gast und wir sind zuversichtlich, dass wir ihn dieses Jahr wieder hier begrüßen dürfen: 2014 kann kommen!
Und die am meisten angeklickte Playlist des Jahres war unser Sommer-Special in Kooperation mit den wunderbaren SEASONAL AFFAIRS und dem nicht minder bezaubernden MONO: "Verstärker"!
12/12/2013
MORRISSEY: Autobiography
Während MORRISSEY wieder einmal auf der Suche nach einem Label ist, fand sich für seine lang ersehnte "Autobiography" schnell der Verlag schlechthin: Penguin Books. Die Lebenserinnerungen erscheinen sogar in der legendären "Classics"-Reihe und verweisen so schonmal auf das nicht zu kleine Ego des Autors, das durch den riesigen Erfolg endlich wieder ein paar (verdiente) Streicheleinheiten bekommen hat. In Großbritannen, der Heimat, zu der Morrissey eine gespaltene Beziehung hat, schnellte es sofort auf Platz Eins der Bestseller-Listen.
Wie wichtig Morrissey Platzierungen sind, lässt sich im Buch immer wieder beobachten: Sämtliche Singles werden mit der entsprechenden Charts-Platzierung erwähnt - plus des jeweiligen Befremdens, nicht auf Nummer Eins mit dem für vielen besten Album aller Zeiten ("The Queen is dead") gelandet zu sein. Was es jedoch zum ersten Mal schafft, ist schließlich Morrisseys erstes Solo-Album nach der sehr merkwürdigen Trennung der "Smiths": "Viva Hate".
Die schmerzhafte Trennung der Band nimmt jedoch weniger Raum ein als der Gerichtsprozess um Tantiemen, den Schlagzeuger Mike Joyce anstrengte und Morrissey sichtlich verwüstet zurückließ. Aus dem Prozess mündete sein bitteres Album "Maladjusted" und in seinen Erinnerungen richtet er den zuständigen Richter mit messerscharfen Worten und einem brillanten Plädoyer regelrecht hin. Er arbeitet geschickt heraus, wie wenig es diesem Mann zusteht, über ihn zu urteilen und weist ihm einen Platz bei den lächerlichen Figuren in der Literaturgeschichte zum Thema Justiz zu. Während man selbst oft denkt bei all den Irrtümern im Prozess, ist Morrissey tatsächlich in einen kafkaesquen Alptraum geraten, weist er selbst auf einen weiteren Klassiker des Penguin-Verlags hin: "Bleak House, indeed".
Morrissey spart nicht mit Referenzen zu anderen Künstlern oder Autoren, er erinnert sich auch an die Fernsehserien seiner Kindheit und es ist eine Freude zu lesen, dass der kleine Morrissey gebannt vor den Puppenserien von GERRY ANDERSON saß und vor allem die Figur "Marina" liebte, die auch schon auf einem SUBLIME-Flyer zu sehen war: "Thunderbirds, of course they are puppets, yet they are as real as I am". Am meisten hat ihn "Man in a Suitcase" beeindruckt, eine wirklich fantastische und harte Serie über einen Agenten, meisterhaft gespielt von Richard Bradford, dessen Vorname in der Serie nie erwähnt wird und er immer nur McGill genannt wird - genauso wie Morrissey immer Morrissey heißen wird. Bradford ist übrigens auf dem Single-Cover von "Panic" zu sehen, wie alle "Smiths"-Cover ist auch dies von Morrissey gestaltet:
In oft brüllend komischen Beschreibungen erzählt er von merkwürdigen Treffen mit anderen Künstlern wie zum Beispiel David Bowie, den er an der Frühstücksbar eines Hotels trifft und es entspinnt sich folgendes Gespräch: "David quietly tells me, 'You know, I've had so much sex and drugs that I can't believe I'm still alive,' and I loudly tell him, 'You know, I've had SO LITTLE sex and drugs that I can't believe I'm still alive.'" Zu Siouxsie fällt ihm die Geschichte ein, welches Video sie für ihr gemeinsames Duett "Interlude" vorschlägt: Sie bewirft ihn konstant mit Steinen im Park. Und es gibt berührende Erinnerungen, vor allem die an Kirsty MacColl, die viel zu früh verstorbene Sängerin, die in einigen Smiths-Lieder die Background-Stimme war.
In den USA erscheint das Buch seltsamerweise ohne den Hinweis auf seine homosexuelle Beziehung zu dem Fotografen Jake Owen Walters, von dem er schreibt: "For the first time in my life the eternal "I" becomes "we", as finally, I can get on with someone". Den amerikanischen Lesern bleibt vorenthalten, wie Jake Morrissey ein Tee an die Badewanne bringt oder Morrissey sich auf dem nackten Bauch Jakes fotografieren lässt:
Auf wessen Entscheidung hin diese Kürzung vorgenommen wurde, ist noch nicht bekannt. Ob Morrissey hier wieder "zensiert" wurde, wie er es oftmals im Buch beklagt? Ihm war es offenbar egal, dass sich die britische Presse nur auf die verwertbaren Teile seiner Autobiographie stürzen würde und diese sind natürlich sexueller Natur. Morrissey schreibt über die zwei wichtigen Beziehungen in seinem Leben allerdings so dezent, dass kein Boulevard-Journalist hier genügend Material haben könnte. Tja, auch wenn selbst die "Bild" über die erste Beziehung Morrisseys mit erst 35 Jahren - "zu einem Mann!" - schreibt, bleibt der private Morrissey im Buch wenig fassbar. Wahrscheinlich, weil es keinen privaten und öffentlichen Morrissey gibt, wie er immer wieder suggeriert. Wenn er darüber schreibt, dass er in seiner Beziehung zu Tina Dehghani von der Überlegung spricht ein "mewling miniature monster" in die Welt zu setzen, wirkt das wie aus einer Zeile seiner Songs entsprungen.
Immer wieder fängt Morrissey seine Leser mit Zitaten aus Smiths- oder Solo-Songs ein, die die Situationen in seinem Leben illustrieren: Was war zuerst da? Das Leben oder die Erinnerung daran? Eine Autobiographie gestaltet immer Erinnerungen, lässt aus, verdichtet und dichtet auch um: Der Leser - und in diesem Fall insbesondere der Fan - geht mit dem Autor einen "autobiographischen Pakt" ein, wie der Literaturwissenschaftler Philippe Lejeune dies formuliert hat. Für ihn ist die literarische Autobiographie ein ”besonders interessanter Sonderfall eines umfassenderen Phänomens. Jeder trägt so etwas wie eine ständig überarbeitete Rohfassung seiner Lebensgeschichte in sich". So wie die Anhänger Morrisseys Autobiographie vertrauen werden, werden die Kritiker ihm misstrauen. Und wie viele Autobiographen zementiert auch er seinen Mythos mit einer Art ersten Erinnerung und schreibt in wirklich unübertreffbarem Oscar-Wilde-Stil: "Naturally my birth almost kills my mother, for my head is too big". Klaus Mann beschäftigte sich auch mit diesem Problem der Ersterinnerungen in Autobiographen und fragt: ”Womit beginnen? Am Anfang ist die Dunkelheit. Aus der Dunkelheit wächst die Legende. Wir bewahren unsere ersten Erinnerungen, so wie die Menschheit sich die frühen Abenteuer merkt: als Mythos.” (Klaus Mann: "Kind dieser Zeit"). Auch Morrissey schafft mit diesem Satz einen persönlichen Mythos, den vom ewig leidenden und anderen Leid bringenden Einsamen und Kompromisslosen.
Warum ihm die britischen Medien und Kritiker oftmals misstrauen und seine Songs niemals im englischen Radio gespielt werden, erklärt Morrissey so: Seine Alben zu kaufen, ist ein politisches Statement. In Südamerika, Skandinavien und vielen anderen Orten wird Morrissey vorbehaltlos geliebt, verstanden und verehrt, wie er immer wieder in seinem Buch betont und was ihn wiederum verwundert. Am Ende sind seine Erinnerungen auch eine große Abrechnung, mit all denen, die ihm nicht vertrauen, denen am Ende jedoch nichts anderes übrig bleiben wird, denn seine Texte und Lieder bleiben für die Ewigkeit:
"Don't rake up my mistakes
I know exactly what they are
And ... what do YOU do ?
Well ... you just SIT THERE
I've been stabbed in the back
So many many times
I don't have any skin But that's just the way it goes.
You'll never believe me, so
Why don't you find out for yourself ?
Sick down to my heart
That's just the way it goes".
1/01/2013
LISTOMANIA: Blogposts 2012
Der SUBLIME-Blog ist nun ein Jahr alt und wir freuen uns sehr, dass ihr letztes Jahr so oft in unserem Blog gestöbert habt und versprechen auch 2013 weiterhin interessante neue Bands oder Sublime-affine Themen vorzustellen. Diese Beiträge habt ihr 2012 übrigens am liebsten angeklickt und gelesen, die Post sind natürlich alle verlinkt - Viel Spaß beim Wiederlesen oder auch neu entdecken:
1. HEAVENLY VOICES
Auch im Shoegaze gilt offenbar die goldene Regel des Internet: Wo schöne Frauen auftauchen, wird auch hingeklickt. Doch in unserem Artikel über diese sublime Damen geht es vielmehr um deren bezaubernde Stimmen!
2. SUBLIME INTERVIEW: PETE FIJ (EX-ADORABLE)
Bisher gibt es nur ein Interview in unserem Blog, doch bei diesem hatten wir gleich die Ehre einen unserer großen Helden zu befragen. Pete Fij, ehemaliger Sänger von Adorable, erwies sich als ausgesprochen charmanter und scharfsinniger Mensch. Und sein Konzert zusammen mit einer weiteren Legende, Terry Bickers (Ex-House of Love) war eines unserer Konzerthighlights 2012!
3. MORTIMER
Es freut uns besonders, dass dieser Beitrag über zwei unserer SUBLIME-Mitglieder so oft angeklickt wurde, denn hinter dieser Band steckt Mossman, Pesi und Mauro, die als drei nicht mehr so unbekannte Fragezeichen der Regensburger Musikwelt einzigartigen Höspielpop machen!
4. THE LOST RIVERS
Für uns die beste und lauteste Shoegaze-Band Deutschlands und die bereits einmal bei uns in Regensburg zu Gast war. Mittlerweile stehen ihre Platten auch im hippen Rough Trade-Shop in London und sie haben sich weit über die Landesgrenzen hinaus Gehör verschafft!
5. AGENT SIDE GRINDER
Wenn so viele Gäste bei dem Konzert der Schweden 2012 in die Heimat geströmt wären, wie Menschen diesen Artikel angeklickt hätten, müsste man mindestens die Steinerne Brücke als Saal dazu buchen. Wer nicht da war, hat definitiv einiges verpasst und wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit den schicken und kühlen Jungs!
Und die am meisten nachgelesene Playlist war die unserer September-Party "When the sun hits".
1. HEAVENLY VOICES
Auch im Shoegaze gilt offenbar die goldene Regel des Internet: Wo schöne Frauen auftauchen, wird auch hingeklickt. Doch in unserem Artikel über diese sublime Damen geht es vielmehr um deren bezaubernde Stimmen!
2. SUBLIME INTERVIEW: PETE FIJ (EX-ADORABLE)
Bisher gibt es nur ein Interview in unserem Blog, doch bei diesem hatten wir gleich die Ehre einen unserer großen Helden zu befragen. Pete Fij, ehemaliger Sänger von Adorable, erwies sich als ausgesprochen charmanter und scharfsinniger Mensch. Und sein Konzert zusammen mit einer weiteren Legende, Terry Bickers (Ex-House of Love) war eines unserer Konzerthighlights 2012!
3. MORTIMER
Es freut uns besonders, dass dieser Beitrag über zwei unserer SUBLIME-Mitglieder so oft angeklickt wurde, denn hinter dieser Band steckt Mossman, Pesi und Mauro, die als drei nicht mehr so unbekannte Fragezeichen der Regensburger Musikwelt einzigartigen Höspielpop machen!
4. THE LOST RIVERS
Für uns die beste und lauteste Shoegaze-Band Deutschlands und die bereits einmal bei uns in Regensburg zu Gast war. Mittlerweile stehen ihre Platten auch im hippen Rough Trade-Shop in London und sie haben sich weit über die Landesgrenzen hinaus Gehör verschafft!
5. AGENT SIDE GRINDER
Wenn so viele Gäste bei dem Konzert der Schweden 2012 in die Heimat geströmt wären, wie Menschen diesen Artikel angeklickt hätten, müsste man mindestens die Steinerne Brücke als Saal dazu buchen. Wer nicht da war, hat definitiv einiges verpasst und wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit den schicken und kühlen Jungs!
Und die am meisten nachgelesene Playlist war die unserer September-Party "When the sun hits".
8/07/2012
TELLING STORIES
Welcher Musikbegeisterte kennt das nicht? Man ist 16 Jahre alt, wohnt in einer mittelgroßen Stadt und die Kultur wohnt dummerweise in der nächstgrößten Stadt. So erging das vielen und auch Tim Burgess, Sänger von THE CHARLATANS erlebte es so. Nur, dass bei ihm die Stadt Manchester hieß und die musikalische Sozialisation die legendäre Hacienda war, wo Bands wie "New Order" geboren wurde. Um zum "Epizentrum der Musik" zu kommen, musste der junge Burgess vom nächsten Ort Salford zu Fuß gehen, aber immerhin wurde die Strapaze damit belohnt, an Morrisseys Haus vorbeilaufen zu dürfen.
In seiner Autobiografie "Telling Stories" ("Tellin' Stories" hieß übrigens auch ein Album der Band), erzählt der Sänger in skizzenhafter Form sein verrücktes Leben nach und das Leben des britischen Undergrounds, das so manch anderes Leben verrückt hat.
Angefangen hat alles im örtlichen Plattenladen (das könnte heute kaum mehr passieren), wo sich die Subkultur der Stadt traf, unter anderem eine obskure Gruppe namens "Numanoids", die aus lauter obsessiven Gary-Numan-Fans bestand. Burgess selbst verehrte Gruppen wie "New Order" und "Joy Division", mit seiner Band wollte er jedoch einen Spritzer von Farbe und Optimismus in die damals doch eher düster geprägte Szene von Shoegaze-Noise-Bands wie "The Jesus and Mary Chain" bringen.
Mit ihrer treibender Musik, die ihren ganz typischen Sound durch die Hammond-Orgel erhielt, ist dies den Charlatans auch sicherlich gelungen. Und das obwohl die Charlatans oftmals als die wohl größten Pechvögel in der Musikgeschichte bezeichnet wurden, die gar einen Fluch auf sich geladen haben müssen: Sie verloren Bandmitglieder an Drogen, Gefängnisaufenthalte und einen tödlichen Autounfall, andere mussten mit der Diagnose Krebs und Hirntumor fertig werden - und Burgess selbst hat eine ziemlich heftige Drogenkarriere hinter sich. In einer Passage namens "Cocainus" beschreibt er detailliert wie sich die Bandmitglieder gegenseitig das Kokain in ein bestimmtes Körperteil bliesen. In einem anderen Kapitel erzählt er von dem sorglosen Umgang der Band mit Dealern, das filmreife Szenen enthält, denn ein Drogenverkäufer hielt Burgess sogar ein Messer an die Kehle. Inzwischen ist er clean, unter anderem dank des Transcendental Meditation Programms von David Lynch. Genauso nüchtern - und sogar mit einer gewissen Freude - wie Burgess seine Drogenzeit umreißt, genauso sachlich beschreibt er nun auch seine cleane Phase: Ohne Pathos oder Glorifizierung, einfach als ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.
Die schönsten Charlatans-Tracks sind aber offenbar in einer nüchternen Phase entstanden, wie zum Beispiel "The only one I know", ihrem Megahit, den David Lynch sogar für seine oben bereits erwähnte Foundation als Werbesong verwendet. Burgess borgte sich den Titel des Klassikers von einem Song der unterschätzten und zu unrecht fast vergessenen Band "The Sundays": "You're not the only one I know". Doch in Burgess' Text geht es ganz im Gegenteil um den einen ganz speziellen Menschen...
Tim Burgess' Buch liest sich wie die Erinnerungen eines unerschütterlichen Optimisten, jemand der von sich sagt, dass er "verliebt ist in die Idee, verliebt zu sein". Jemand, der mit Schallplatten Gerüche verbindet, auch wenn es im Fall von Madonnas "Like a Prayer" ein Marketing-Coup des Labels war, der die Platte mit Patchouli-Duft versah: Burgess bleibt zuversichtlich, dass die Musik Leben retten kann. Am Ende der Erzählung fragt er sich, wo er heute stehe: Er ist immer noch verliebt, immer noch ein Punk und immer noch am Meditieren: "This is not the End".
In diesem Sinn hören wir nochmal in die schönsten Songs der CHARLATANS herein:
In seiner Autobiografie "Telling Stories" ("Tellin' Stories" hieß übrigens auch ein Album der Band), erzählt der Sänger in skizzenhafter Form sein verrücktes Leben nach und das Leben des britischen Undergrounds, das so manch anderes Leben verrückt hat.
Angefangen hat alles im örtlichen Plattenladen (das könnte heute kaum mehr passieren), wo sich die Subkultur der Stadt traf, unter anderem eine obskure Gruppe namens "Numanoids", die aus lauter obsessiven Gary-Numan-Fans bestand. Burgess selbst verehrte Gruppen wie "New Order" und "Joy Division", mit seiner Band wollte er jedoch einen Spritzer von Farbe und Optimismus in die damals doch eher düster geprägte Szene von Shoegaze-Noise-Bands wie "The Jesus and Mary Chain" bringen.
Mit ihrer treibender Musik, die ihren ganz typischen Sound durch die Hammond-Orgel erhielt, ist dies den Charlatans auch sicherlich gelungen. Und das obwohl die Charlatans oftmals als die wohl größten Pechvögel in der Musikgeschichte bezeichnet wurden, die gar einen Fluch auf sich geladen haben müssen: Sie verloren Bandmitglieder an Drogen, Gefängnisaufenthalte und einen tödlichen Autounfall, andere mussten mit der Diagnose Krebs und Hirntumor fertig werden - und Burgess selbst hat eine ziemlich heftige Drogenkarriere hinter sich. In einer Passage namens "Cocainus" beschreibt er detailliert wie sich die Bandmitglieder gegenseitig das Kokain in ein bestimmtes Körperteil bliesen. In einem anderen Kapitel erzählt er von dem sorglosen Umgang der Band mit Dealern, das filmreife Szenen enthält, denn ein Drogenverkäufer hielt Burgess sogar ein Messer an die Kehle. Inzwischen ist er clean, unter anderem dank des Transcendental Meditation Programms von David Lynch. Genauso nüchtern - und sogar mit einer gewissen Freude - wie Burgess seine Drogenzeit umreißt, genauso sachlich beschreibt er nun auch seine cleane Phase: Ohne Pathos oder Glorifizierung, einfach als ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.
Die schönsten Charlatans-Tracks sind aber offenbar in einer nüchternen Phase entstanden, wie zum Beispiel "The only one I know", ihrem Megahit, den David Lynch sogar für seine oben bereits erwähnte Foundation als Werbesong verwendet. Burgess borgte sich den Titel des Klassikers von einem Song der unterschätzten und zu unrecht fast vergessenen Band "The Sundays": "You're not the only one I know". Doch in Burgess' Text geht es ganz im Gegenteil um den einen ganz speziellen Menschen...
Tim Burgess' Buch liest sich wie die Erinnerungen eines unerschütterlichen Optimisten, jemand der von sich sagt, dass er "verliebt ist in die Idee, verliebt zu sein". Jemand, der mit Schallplatten Gerüche verbindet, auch wenn es im Fall von Madonnas "Like a Prayer" ein Marketing-Coup des Labels war, der die Platte mit Patchouli-Duft versah: Burgess bleibt zuversichtlich, dass die Musik Leben retten kann. Am Ende der Erzählung fragt er sich, wo er heute stehe: Er ist immer noch verliebt, immer noch ein Punk und immer noch am Meditieren: "This is not the End".
In diesem Sinn hören wir nochmal in die schönsten Songs der CHARLATANS herein:
8/02/2012
GASTBEITRAG SOUNDKARTELL: MORTIMER
SUBLIME freut sich sehr, dass der Blog SOUNDKARTELL einen Gastbeitrag für unseren Blog geschrieben hat, der sich obendrein mit der Band MORTIMER beschäftigt. Aber lest selbst und auch die vielen anderen schönen Artikel auf dem engagierten Blog, der das Ziel hat, neuen interessanten Bands aus Bayern eine Plattform zu bieten!
Mortimer – Regensburger Hörspielpop, der zum Nachdenken anregt!
Wenn man versucht eine noch relativ unbekannte Band vorzustellen, gestaltet es sich immer enorm schwierig genügend Material über diejenige Band oder denjenigen Künstler zu sammeln und daraus einen schönen Artikel zu schreiben. Ist ja auch klar, die Band ist eben noch sehr unbekannt! Es ist natürlich äußerst schwierig Fakten zu finden, aber es ist daher umso anspruchsvoller und spannender einen Artikel über eine Band zu schreiben, über die es vielleicht bisher auch noch gar keinen Artikel gibt! Momentan konzentrieren wir uns relativ streng auf Regensburger Musik und deren Bands. So auch diesmal, denn die nächste Band kommt auch aus Regensburg. Mortimer heißt sie, und egal was man in diverse Suchmaschinen eingibt, man wird nicht viel über Mortimer finden. Wir wollen vorab nur so viel verraten: Sie spielen Hörspielpop!
Hörspielpop? Ja genau, Hörspielpop. Was soll das sein? Popmusik in Hörspiele verpackt? Oder Hörspielmusik, gespickt mit Pop-Elementen? Wohl eher Zweiteres. Drei Männer stecken hinter dem Projekt Hörspielpop, und sie reduzieren sich auch auf drei Instrumente. Denn Jochen aka “Mossmann” Lämmel steht am Synthesizer, Martin aka “Pesi” Pesold bespielt den Bass und Mauro Ciccarelli sitzt an den Drums. Synthesizer, Drums und ein Bass, aus diesen drei Instrumenten lassen die Herren einen so noch nie gehörten Sound entstehen, der seinesgleichen sucht.
Mortimer kommt komplett ohne Vocals aus, sie komponieren ihre Songs rein instrumental. Ziel der Band ist es, den Fokus ihres Publikums wieder auf das Elementare zu lenken: nämlich dem Zuhören und Lauschen. Wann hören wir denn in unserem Alltag wirklich noch Geräuschen zu, ohne sich ihnen wieder hektisch zu entziehen? Es ist ja aber so, dass man dieser heutzutage doch sehr lauten Welt, voller Klängen und Lärm entfliehen kann, indem man beispielsweise Hörspielen lauscht. In Hörspielen kann man sich und seine Umwelt vergessen und hinter sich lassen. Die Wirkung kommt der einer Meditation gleich. Oder man achtet bewusst in alten Filmen auf deren Filmmusik. Sie erzeugen Spannungen und beeinflussen dabei unter anderem das Publikum immens. Wer würde bei einer traurigen Szene schon zum weinen beginnen, wenn dieser nicht eine traurige Sequenz unterlegt wäre?
Genau das ist es, was sich die Regensburger Mortimer auf die Fahnen geschrieben haben. Sie wollen mit ihrer Musik Stimmungen und Atmosphären erschaffen, und somit auch im Hörer Emotionen wecken.
Wenn man so will erzählen Tracks wie „Spindrift“ mit Hilfe von teils unbeschwerten oder beängstigend bedrückenden Sequenzen auch eine eigene Geschichte. Durch den minimalistischen Synthesizereinsatz werden so teils sich immer mehr steigernde Melodien erzeugt. In „Coney Island“ gibt das Schlagzeug den Beat vor und treibt Bass und Synthesizer neben sich her, und Mortimer schaffen es auch hier eine komplett andere Stimmung zu erzeugen. Beim Zuhören entstehen Bilder, Bilder die von fröhlichen, aber manchmal auch von ungeheuer düsteren Momenten erzählen. In einem Hörbuch gibt es ja immer eine Erzählerstimme, diese nimmt bei Mortimer so genommen der Synthesizer ein und Mortimer variiert in seinen Tracks äußerst abwechselnd deren Perspektive und Erzähltempo. Manchmal wechseln die Synthesizer-Melodien schlagartig ihre Richtung und tänzeln dabei entlang der Drum- und Bassline.
Auch „Bambi Beach“ passt perfekt in ihr Songmuster, denn auch hier lauscht man einer eigenen Songgeschichte. Wenn man Mortimer das erste Mal hört, wird es einem vielleicht noch schwer fallen, aber man muss wirklich nur genau zuhören, und irgendwann wird im Ohr quasi ein Hebel umgelegt und man hat die Geschichte direkt vor seinen Augen. Ganz elementar ist zudem die Art und Weise wie Mortimer live musiziert, denn das ist noch wirkliche Livemusik ohne Hilfsmittel. Da macht es auch nicht viel aus, wenn man bei einem Liveauftritt der Regensburger auf einem Stuhl sitzt. Im Gegenteil, das kommt dem Sound auch noch zu Gute. Ein Hörbuch hört man ja auch nicht im Stehen, sondern man macht es sich im Sessel oder auf dem Sofa bequem. Eines der Highlights unter den Tracks von Mortimer ist sicherlich „Polygreen“. Hier vereint sich alles, was Mortimer musikalisch und erzähltechnisch drauf hat! Wenn man wie ich, diese Musik eigentlich zum ersten Mal hört gewinnt man bei ihrem Sound und auch bei „Polygreen“ den Eindruck, dass sich ihre Musik einem von Hand gewebtem Teppich ähnelt. Man hat zunächst einmal unzählige kleine Elemente, die nur als Ganzes ihre volle Wirkung entfalten und zudem schwebt man beim Hören gleichermaßen wie auf einem Teppich, einem Klangteppich eben. Neben Pop-Elementen gibt es bei Mortimer aber auch etliche Shoegazeeinflüsse.
Die Einordnung in ein Genre ist dem Hörer mehr oder weniger selbst überlassen. Die einen meinen, darin Fusion, Jazzfunk und Shoegaze zu hören, andere sehen Mortimer eher im Krautrock.
Es gibt allerdings eine Sparte, in die sich Mortimer auf keinen Fall einordnen lassen möchte: „Chill-Mucke“ wie sie sie selbst nennen. Davon distanzieren sie sich und das auch zu Recht. Mortimer will mit seiner Musik ja eigentlich den Hörer aktiv anregen, denn beim Zuhören soll er nachdenken.
Das gestaltet sich natürlich in einer so schnelllebigen Welt, in der wir leben natürlich äußerst schwierig. Doch wer sich darauf einlässt, wird nicht enttäuscht werden. Die Musik von Mortimer behält dadurch natürlich auch eine gewisse Neutralität, denn die Songs von ihnen kann ein Jugendlicher, genauso hören wie ein kleineres Kind. Und man kann sich als Musiker doch nichts schöneres vorstellen, als dass die Zuhörer beim Hören beginnen zu träumen! Bei all der Schnelllebigkeit, die einen in der Musikbranche umtreibt, besitzt die Musik von Mortimer eine enorm hohe Wertigkeit und es muss einfach gesagt werden: Man kann man froh sein, dass es noch Bands wie Mortimer gibt!
Um Mortimer auf ihrer Homepage zu besuchen, bekommt ihr dafür hier den Link: http://www.mortimertunes.de/
Und um dafür zu sorgen, dass ihre Fangemeinde noch weiter wächst, könnt ihr ihnen hier auf Facebook folgen: http://www.facebook.com/mortimertunes
Zu guter Letzt haben wir nun noch die Bitte euch von Mortimer den Track „Polygreen“ anzuhören und vergesst dabei nicht: denkt nach!
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