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6/22/2016

LUNASTROM IM SANATORIUM

Die fantastische Reihe LUNASTROM, initiiert von unserem Freund und Sublime-Mithelfer Marc Zimmermann, macht einige wenige, aber dafür in der Erinnerung bleibende und außergewöhnliche Veranstaltungen, in denen nicht nur Shoegaze und Dreampop eine große Rolle spielen, sondern auch Lichtinstallationen, Kunstwerke und Performances. Nach dem letzten gigantischen Event in der alten Schlafwagenfabrik in München, bei denen SUBLIME auch als DJ-Team mitwirkte, dachte man: Das kann man nicht mehr toppen. Doch Lunastrom hat es wieder geschafft, indem man sich diesmal einen absolut undenkbaren und unmöglichen Ort ausgesucht hat: Das alte Sanatorium am Starnberger See.


Im 19. Jahrhundert ein altes Waldschlösslein, in den 1970er Jahren dann zum Kurort für die Reichen und Berühmten der BRD umgebaut: Dort kurten deutsche Promis wie Liselotte Pulver, Harald Juhnke oder Gert Fröbe. In den Neunzigern kam der Verfall und das Sanatorium des Dr. Wiedemann war pleite. Auch weil in der angeschlossenen Klinik eine umstrittene Kälberblut-Kur angeboten wurde, die verjüngen sollte, allerdings zu einem handfesten BSE-Skandal führte. Heute ist der Ort eine Ruine, ein Lost Place voller unheimlicher Erinnerungen an eine einst glanzvolle Zeit. In den einstigen Luxuszimmern haben Jugendliche gewütet, überall liegen Glasscherben, der alte Swimmingpool ist voller Möbel, Ordnern mit Patientenakten und in den medizinischen Räumen wurden Spritzen, Infusionen und die besagten Kälberblutflaschen einfach zurückgelassen. Hier also nun Lunastrom - es klingt unmachbar.





Wir stapften, wie die Einstürzenden Neubauten so schön deklamierten, zunächst durch den Dreck bedeutender Metaphern (Verfall der alten BRD, Wandel der Medizin, Gesundheit vs. Wahnsinn) Meta, Meta für Meta. Das Lunastrom-Team hat zwei Wochen alleine nur aufgeräumt und Platz geschaffen für Installationen, die in diversen Zimmern zu bestaunen waren, wobei Fundstücke aus dem Sanatorium immer wieder integriert wurden: Eine 360 Grad-Installation wurde mit alten Anti-Urin-Bettlacken ausgelegt, jede Menge Spiegel in einer imposanten Installation zusammen gefasst, flimmernde Bilder auf gefundenen alten Röhrenfernsehern gezeigt, Patientenzimmer mit Ausstattung, die komplett weiß angemalt zum White Room umfunktioniert wurden und und und. Die Künstlerin Anna McCarthy führte als Dr. Wiedemann verkleidet durch den Wahnsinn und erklärte den beeindruckten und zum Teil auch verängstigten Gästen die unbekannte Welt. Im Saal und in einem Nebenraum wurde aufgelegt, im Keller umrahmt von einer mit Nebelinstallation dekorierten Wendeltreppe spielten Blue Haze wunderbaren Dreampop und die Musik sowie der Tanz vertrieb die Angst so mancher, denn der Ort hatte nicht nur wegen des modrigen Geruchs, sondern auch wegen der irrsinnigen Geschichte einen Lynchesken Beigeschmack: Surrealer Shoegaze, hallender Dreampop und zuckender Postpunk untermalte das Ganze.



SUBLIME hatte wieder die Ehre mitauflegen zu dürfen (Playlist und noch mehr Bilder hier) und wir diagnostizieren: Lunastrom, Du bist wahnsinnig! Wahnsinnig genial und wahnsinnig genug, diesen enormen Aufwand in nur eine magische Nacht zu stecken... Eine Jungbrunnen-Kur täte uns allen nun wohl gut, denn die Arbeit steckte allen Beteiligten in den Knochen, aber es hat sich gelohnt und wir sind gespannt, was da wohl als nächstes kommen mag... Fazit: Lunastrom sollte es auf Rezept geben!


Ayli kurt
Miss Shapes & Mossman kuren

http://sublime-music.blogspot.de/2016/06/lunastrom-im-sanatorium.html

4/14/2016

DAS SUBLIME-QUARTETT



Zu unserem Zehnjährigen Jubiläum wollten wir den Gästen als Geschenk zu den gekauften VVK-Tickets etwas Besonderes schenken: Selbstgemacht sollte es sein und etwas mit SUBLIME zu tun haben. Nachdem Miss Shapes irgendwann ein wunderbares selbst entworfenes Musik-Quartett von Freunden zum Geburtstag bekommen hatte (mit dem netten Zusatz "Sublime-Faktor"), setzte sich diese Idee fest: Warum nicht ein eigenes Sublime-Quartett machen? Leicht gesagt, schwer umzusetzen. Nach endlosen Diskussionen, wo und wie man das Ganze am besten druckt und dann schneiden lässt ohne später in die Privatinsolvenz zu müssen, vertraute man die Idee einem hiesigen Drucker an, der dann auch fantastische Arbeit leistete. Zuvor wurde jedoch in ebenso langwierigen Dikussionsrunden Bands, Rubriken (es gibt Eighties, New Wave, Alternative, Experimental, Masterminds, Independent, Noise, Synth, Artpop, Dreampop, Nugaze und natürlich Shoegaze), Punktsystem (Gründungsjahr, Noise & Effects, Fananzahl, Sublime-Faktor) ausgeklügelt, von unserem Mossman von jl prozess Bilder der Bands gesucht, aufbereitet und ein schönes Farbsystem angelegt sowie das Ganze natürlich wunderbar designt. Dann kamen die Karten frisch aus der Druckerei und sie waren großartig! Festes Papier, feines Format und funkelnde Farben:





Die wirklich richtige und ernüchternde Arbeit startete aber gleich nach der ersten Bewunderungsphase, denn die Stapel sahen ausgepackt erst einmal so aus:










Jetzt hieß es ran an die stupide Fließbandarbeit: Karten sortieren, eintüten, mit Tesafilm einkleben - Wir waren die Roboter! (Verdammt, Kraftwerk fehlen im Set - aber ein Erweiterungsset schreit ja quasi schon laut auf...). Ganze ZEHN Stunden später war es dann vollbracht und zwei Kartons voller Quartette wurden am Konzert- und Partyabend an glücklich Gäste und Bands verteilt. Nicht genug, es prasselten es auch noch Anfragen aus aller Welt auf uns nieder und da wir ein gemeinnütziger Verein sind, verschicken wir sie gegen eine Spende auch gerne noch weiter (Mail an info@sublime-music.de).


Reaktionen und Helden, die das Quartett wollten und begeistert spielen:

PETE FIJ (ADORABLE*)

"In your face Terry Bickers! Adorable beat Levitation in 'Number Of Fans' (very low beats very very low!) & ' Sublime Factor', in these Top Trump cards from SUBLIME. Admittedly his mob beat us in Noise/ Effects ratings, so at least maybe he won't mope in the corner ALL day. It's nice to give him some crumbs to temper the disappointment" (Kommentar von Fij, der mit Terry Bickers 2012 live bei uns war)

LOUISE TREHY (SWALLOW*)

"There is a Top Trumps game with Swallow, Pale Saints, Adorable, Slowdive oh all of us!" 

MOTORHORST.DE

"Kam gestern bei mir an und es ist ganz vorzüglich und jeder Mensch ohne dieses Quartett ist ein ärmerer Mensch, deswegen meine dringende Kaufempfehlung!" (Anm. wir verkaufen es nicht, es geht nur gegen Spenden raus)

VOLTARENES

"Blättern die ganze Zeit darin... Supertoll... Dankeschön... !!!"

Und hier die ganze Band beim Spielen und Mawe hat natürlich den
absoluten Supertrumpf: My Bloody Valentine:
















REIN FUKS (PIA FRAUS*)

"How cool is that?!"  

LEVITATION* 

"They are great!" 

CREATION RECORDS

SHOEGAZEKID

INTRO MAGAZIN

"Schickes Ding"





















Und es gibt die ersten Nachmacher!































































*Diese Bands sind auch im Quartett enthalten


to be continued...

http://sublime-music.blogspot.de/2016/04/das-sublime-quartett.html

4/20/2015

ENTCHANTED DOLLS

Ihre Puppen sind in der Tat bezaubernd und verzaubernd zugleich: Die russisch-kanadische Künstlerin Marina Bychkova fügt der bekannten Doll-Scene um Kultpuppe Blythe (die schon viele unserer Flyer zierte) etwas ganz Eigenes und Menschliches hinzu, denn ihre Puppen sind nicht nur niedlich oder poppig, sie sind zerbrechlich, bizarr, anatomisch verstörend korrekt und zeigen uns immer einen ganz bestimmten Aspekt von Humanität. Nun ist ihr Werk in einem wunderbaren und liebevoll gestalteten Buch namens "Enchanted Doll" erschienen, man blättert wie in einem Märchenbuch durch die Seiten und stößt auf fazinierende und fragile Puppenwesen, die in langen handwerklichen Stunden, Wochen, Monaten entstanden sein müssen und figürlich die sozialen, psychologischen und feministischen Theorien reflektieren, die ihre Erschafferin beschäftigen. Oft angelehnt an literarische Vorbilder entwirft Bychkova Porzellan-Puppen mit einer unwiderstehlichen Anziehungskraft wie zum Beispiel "Anna Karenina überlebt den Zug". Was wäre wenn, Anna mit sichtbaren Wunden, aber gestärkt ihre Rebellion gegen die gesellschaftlichen Zwänge des viktorianischen Russlands gewonnen hätte? Der Ausdruck der Puppe beantwortet es:

Copyright: Marina Bychkova 

Andere Puppen sind Allegorien wie "Das Stockholm Syndrom" oder psychologische Konzepte wie "Die Stufen der Trauer", die sich auf das bekannte Kubler-Ross-Modell beziehen: Leugnung, Wut, Handeln, Depression und schließlich Akzeptanz spiegeln sich grandios in dieser Puppe Bychkovas:

Copyright: Marina Bychkova

Weitere Motive entnimmt die Künstlerin Märchen- und Mythenwelten wie Dornröschen, die Figur der bösen Stiefmutter oder die Figur einer Gestaltwandlerin: Hier verschmelzen Tierfiguren mit menschlichen Köpern und niemand kennt ihre echte Gestalt - vielleicht haben sie auch gar keine, genauso wie Bychkovas Puppen zwar gegenständlich sind, aber dennoch ein Werk der Phantasie: Wie bereits Heinrich von Kleist schon sinngemäß sagte - das einzig Sublime also Erhabene in dieser profanen Welt sind Puppen und Tiere ...

Copyright: Marina Bychkova

3/22/2013

LICHT ZUM STREICHELN: THE LIGHT SHOW LONDON

Es gibt Ausstellungen, in denen man sich in jedem einzelnen Raum Musik dazu wünscht: Laut und shpärisch. Wäre dieser Fakt noch bei der Londoner THE LIGHT SHOW hinzugekommen, dann hätte man in der Hayward Gallery getrost ein LUNASTROM oder SUBLIME abhalten können. Aber auch so bot sich dem Zuschauer einiges Beeindruckendes fürs Auge.

Die ausgestellten Illuminationen reichten von den Sechziger Jahren bis in die Gegenwart und boten so einen schönen Überblick über das Genre. Die bekanntesten Vertreter dürften dabei Dan Flavin sein, der mit seinen minimalen Installationen Weltruhm erlangte oder Olafur Eliasson, mit dessen spektakulären Strobo-Wasser-Gewitter der erleuchtende Abschluss der Ausstellung geboten wurde.

Am Beginn stand jedoch ein leises, glitzerndes rundes Modell von Leo Villareal namens "Cylinder" aus herabregnenden LEDs, das den Besucher empfing. Danach fanden sich Lichtsäulen, die wahrhaft zu atmen schienen. Man wurde durch Räume geschickt, die in strahlendes Blau, Gelb oder Rot getaucht waren und der Retina ein wahrhaftes Farbenmeer schenkten. In einem anderen mysteriösen Raum wurde man gebeten, Überschuhe aus Plastik anzuziehen und wunderte sich, was einen wohl darin erwarten würde: Die Antwort war wunderschön - ein Lichtkegel, der einen anstrahle und durch den leichten Kunstnebeleinsatz im Raum quasi gestreichelt werden konnte. Spätestens hier wünschte man sich tatsächlich ganz laut einen Slowdive-Song dazu hören zu dürfen.


Und so sah das Ganze dann zum Beispiel aus: Der nächtliche Garten des Herrn Eliasson:




Hier noch der Trailer mit einigen Exponaten, die auf Fotos nicht festzuhalten sind:






Und hier ein paar Beispiele, wie wir bei unseren Partys Licht und LED einsetzen.
Ein großes Danke hierfür an Pesi, Mossman und El...






8/15/2012

INNER GAZING: SUBLIME GOES ART

2008 wurden wir gebeten mit unseren Plakaten im KunstvereinGRAZ - in dessen alten Räumlichkeiten an den Gleisen durften wir übrigens auch einmal eine Party veranstalten - an einer Ausstellung teilzunehmen. Wir fühlten uns geehrt und heraus kam das, was in diesem Artikel nachzulesen ist:



"Betriebstemperatur - eine Vorbildausstellung" mit S|U|B|L|I|M|E im KunstvereinGRAZ

Oft sagt man, wenn es um Kunst, zumal zeitgenössische Kunst geht „über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten“. Aber jetzt fragt man sich: Woher kommt der Geschmack? Wie und wo und wann wird er ausgebildet? Welchen Vorbildern folgt die Geschmacksbildung? Wie setzt man sich als junger Mensch vom Stil bildenden Elternhaus ab, wie wird man selber zu einer Persönlichkeit? Wo sind die identifikatorischen Bilder zu sehen und woher kommen sie? Was ist Leitmotiv und Leitkultur?

Zugegeben, eine Reihe von anspruchsvollen Fragen, doch der KunstvereinGRAZ hat (im Rahmen seiner Möglichkeiten) eine Antwort darauf: BETRIEBSTEMPERATUR heißt die nächste Ausstellung in den neuen Räumen in der Schäffnerstrasse 21 im östlichen Herzen der Altstadt. Sie wird am 21.11.2008 um 20 Uhr mit einer Performance von Wichard & Friends eröffnet - mit einer Web-Game-Musik-Performance). 

Der Verein hat um das einzig verbliebene Regensburger Pop-Musik-Platten-Label des legendären und stadtbekannten Archie Müller, Schinderwies Productions, also um seine CDs herum, eine Ausstellung gebaut, die sich an der Schnittstelle der Musikkultur mit den Vor-Bildern von jungen Menschen beschäftigt. Dafür ist es gelungen, die hervorragende Fotokünstlerin Tina Winkhaus aus Berlin zu gewinnen, die u.a. Cover für „Element of Crime“ Fotos inszeniert hat und so ziemlich alle die Rang und Namen in der Berliner Techno-Szene haben, portraitierte. Davor war sie in der New Yorker Fashion-Scene als Profifotografin tätig, nun lebt Tina Winkhaus in Berlin, wo sie nur noch der inszenierten Fotografie nach eigenem Auftrag nachgeht. Aus der Serie Hope können vier 120 x 120 cm große Arbeiten gezeigt werden. Jim Avignon alias NEOANGIN ist eigentlich überall auf der Welt zu Hause. Wenn er nicht für sein eigenes Label arbeitet, malt oder auf einer Bühne der Welt steht, wenn er gerade nicht Plakate entwirft, Songs schreibt oder über den Atlantik düst, gestaltet er ein liebevoll entworfenes Booklet für seine neueste CD. Von Jim Avignon werden Malerei, Grafik und Artwork gezeigt.

SUBLIME aus Regensburg ist derzeit schwer angesagt. Die Tanzveranstalter und Musikmacher sind für ihre stilistisch durchdachten und cool gemachten Plakate, Flyer und ihre stylische Website, wie für ihre Shoegaze-Tanzveranstaltungen bekannt. Die gezeigten Poster sind unter Verwendung wertvoller Puppen aus London entstanden (die übrigens auch gezeigt werden) oder portraitieren die Eichhörnchen, Bambis und Schosshündchen der Macher: Christian 'Pacult' Winklhofer, Student und Musik-Nerd, Dr. Kerstin Kratochwill, alias Miss Shapes, Jochen Lämmel als Grafiker, der die Designs bastelt und Markus Güntner, weltweit angesehener Ambient-Techno-Produzent. Von letzterem gibt es einen eigenen Loop für die Ausstellungseröffnung. Der „Nebelmacher“ und Licht- und Tontechniker Martin „Pesi“ Pesold und Felix Neumann, DJ und Musiker von „A Hundred Times Beloved“, sollen nicht unterschlagen werden.

ICFF aus Berlin heißen Icecream for free. Die Designer haben von Adidas einen Gestaltungsauftrag für T-Shirts erhalten und dafür eine romantische und verspielte Gestaltung gewählt. Der Sportaspekt der Marke Adidas ist vollkommen aufgegeben worden - zu Gunsten der Lifestyle–Komponente. Wer einen jungen Geschmack hat, wird darauf abfahren.

 q.e.d. - was zu beweisen war (pm)"


Quelle: regensburger-nachrichten.de